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Tief unter die Haut der Zuhörer gesungen

"d'aChor" brillierte in Alt-St.Clemens / Repertoire ungewöhnlich breit gefächert

Mit einem ungewöhnlich breit gefächerten Repertoire begeisterten am Mittwochabend 30 Sängerinnen und Sänger des Vokal-Ensembles "d'aChor" aus Münster ihre rund 50 Zuhörer in der Kirche Alt-St.-Clemens. Vom sechsstimmigen Kyrie aus der Messe "Missa Papae Marcelli" von Giovanni Pierlugi da Palestrina aus dem Frühbarock über Volkslieder, Werken aus der Romantik bis hin zu Beatles-Evergreens wie "Blackbird" oder "Back in the U.S.S.R." spannte der münsterische Laienchor einen weiten musikalischen Bogen über fünf Jahrhunderte.
Schon beim Auftakt des Konzertes überraschte der Chor mit dem Stück "V'Amo di Core" von Mozart durch seine akzentuierte Dynamik und klare Stimmführung. Mit tragenden Chorweisen wie "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" von Brahms sangen sich die Sängerinnen und Sänger bis tief unter die Haut ihrer Zuhörer, bevor eine Querflöten-Einlage von Gertrud Sauer einen Wechsel zu beschwingteren Volksliedern markierte. Dabei begeisterte die Flötistin mit der lautmalerischen Interpretation "Danse de la Chèvre" von Arthur Honegger nicht weniger als die Säger: Sie entführte die Zuhörer mit ihrem eindringlichen Spiel in eine mediterrane Landschaft, in der sich Ziegen auf den Klippen über dem Meer tummeln.
Nach einer kurzen Pause startete der Chor mit der dänischen Chorweise "I Seraillets Have" von Wilhelm Stenhammer in den zweiten Teil des Programms. Bevor das Ensemble anstimmte, rezitierte Chorleiter Jürgen Janotta die romantischen Liedverse in deutscher Übersetzung. Werke von Schumann und Mendelssohn-Bartholdy rundeten die musikalische Zeitreise in die Romantik ab.
Kontrastreich schlossen sich zum Ende des Konzerts ganz unterschiedliche Chorweisen aus dem 20 Jahrhundert an. Zwei Lieder aus dem Zyklus "Lob der Träne" von Ernst Pepping standen dem swingenden Evergreen "Downtown" gegenüber. Mit dem Kinderlied "Jeu du Couteau" aus Guadaloupe interpretierte der Chor südamerikanische Indiomusik auf ungewöhnliche Weise, bevor "The King's Singers"-Arrangements von Bruce Russel oder John Lennon und Paul McCartney dem Konzert eine rockige Note gaben. Nach zwei Zugaben entließ das begeistere Publikum den Chor unter lang anhaltendem Applaus.

(Kerstin Himmelmann)
Münstersche Zeitung, Samstag, 24.Juni 2000, Stadtteil Hiltrup/Amelsbüren

Sommerkonzert von "D'aChor" in der Petrikirche

Vom Madrigal zum Popsong

Münster (SLR) - vom Madrigal bis Pop, von Palestrina bis McCartney - ein melodiöser Streifzug durch fünf Jahrhunderte Chormusik. Das müstersche Vokalensemble d'aChor präsentierte am Sonntagabend in der Petrikirche ein umfangreiches und gleichzeitig abwechslungsreiches Musikprogramm.  "V'amo di core", "I Serailes have", "Downtown" oder "Jeu du Couteau" - nicht nur zeitlich, sondern auch sprachlich und geografisch lassen sich die 32 Sängerinnen und Sänger nicht festlegen. Den ersten Teil des Konzertes dominierten ruhige, fast schon schwermütige Werke, wie zum Beispiel das Kyrie aus der sechsstimmigen Messe des Italieners Giovanni Pierluigi da Palestrina. Ein klagender Aufschrei durchbrach die Stille: "Wie liegt die Stadt so wüst". Dieses eindringliche Stück von Rudolf Mauersberger berscheibt die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg. Das stetige Auf und Ab in Rhythmik und Dynamik, der Wechsel zwischen Aufbegehren und Resignieren, zwischen Hoffnung und Verzweiflung ließen den Zuhörer das Ausmaß der Verwüstung erahnen.
Besonders erwähnenswert war zudem das Soloflötenstück "Danse de la chêvre" des französischen Komponisten Arthur Honegger, meisterhaft umgesetzt von Gertrud Sauer: Mal zögernd, tastend, dann mutig und ausgelassen - das Spiel der Ziegen begeisterte das Publikum.
Romantische Klänge beschwörten da Ritonell von Robert Schumann und "O Täler weit, o Höhen" von Felix Mendelssohn-Bartholdy herauf. Modern und mitreißend war der Schlußteil: Bei "Blackbird" und "Back in the U.S.S.R." von John Lennon und Paul McCartney sprang der Funke endgültig über. Besonderen Beifall erhielt auch das Kinderlied aus Guadeloupe "Jeu du Couteau".
Jürgen Janotta hatte seinen Chor gut im Griff: Das harmonische Zusammenspiel der einzelnen Stimmen, die technisch anspruchsvolle, mimisch und gestisch unterstützte Umsetzung, und die immer wieder wechselnde Zusammenstellung der Sänger bescherten dem Publikum einen Konzertabend mit immer neuen Überraschungen. Wiederholt wird die Aufführung am 21. Juni in der Kirsche Alt St. Clemens in Hiltrup.

Münstersche Zeitung, Dienstag, 20.Juni 2000