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Eine Odyssee in anderen Sphären

Chorkonzert mit "d'aChor" und "inTakt"

BURGSTEINFURT
Es war ein Chorkonzert der besonderen Art, das da in der Kleinen Kirche in Burgsteinfurt gegeben worden ist. Die zwei kleinen, aber feinen münsterischen Chöre "d'aChor" und "inTakt" unter der Leitung von Jürgen Janotta gaben mit ihrem Programm "2001: Odyssee im Klangraum" einen buntern Querschnitt durch die Chormusik der vergangenen fünf Jahrhunderte.
Ausgehend von der Neuzeit mit Knut Nysted's "Cry out and shout" reisten die Musiker Stück für Stück zurück in die Musikgeschichte. Mit "O vos omnes" von Pablo Casals sehr zart und geheimnisvoll gesungen, gab "d'aChor" einen eindrucksvollen Beweis dafür, dass es nicht die lauten Töne sind, die ins Herz gehen. Das galt auch für die Sphärenklänge der Palestrina-Messe, die ein wenig an die Taizé-Gesänge erinnern.
Doch zuvor war noch "inTakt" zu hören mit dem sehr schwierigen Brahmssatz "Schaffe in mir, Gott". die 14 Sänger und Sängerinnen meisterten gut die vertrackte Chromatik und Chorleiter Janotta hob mit seinem präzisen Dirigat den Chor über alle Einsatzklippen hinweg. Gertrud Sauer, Mitglied in beiden Chören, brillierte außerdem noch als Flötensolistin mit zwei wunderschönen, meditativen Stücken. Großes Einfühlungsvermögen und weiche Tongebung machten insbesondere den "Pan" von Harald Genzmer zu einem musikalischen Leckerbissen.
Nach der Pause ging es zurück in die Moderne, U- und E-Musik hielten sich die Waage. Am bewegendsten waren sicherlich die drei Lieder aus dem neunteiligen Zyklus "Lob der Träne" von Ernst Pepping. Auch bei den weiteren Stücken gelang es dem Chor, immer wieder Spannung durch effektvolle Pausen und eine gut ausgearbeitete Dynamik zu erzeugen.
Mit dem mitreißenden, gar nicht leichten King's-Singer-Arrangements von Traditionals und Beatles-Songs machten die beiden Chöre dem klar, dass Unterhaltungsmusik keinserwegs anspruchslos sein muss.

(Heide Bertram)
Westfälische Nachrichten, Stadtteil Steinfurt, 4.Juli 2001

Gekonnte Spezialitäten

Doppel-Chor-Konzert in der Petrikirche

Für einen kurzen Augenblick war die Kirchentür geöffnet, und mit den Sonnenstrahlen kamen die Klänge einer Folk-Combo herein, die im Grünen ihre Instrumente ausgepackt hatte. Dann wurde die Tür geschlossen, und die Zuhörer lauschten wieder fast atemlos den musikalischen Spezialitäten, die "d'aChor" und "inTakt" am Sonntag in der Petrikirche delikat zubereiteten. Von Palestrina bis Randy Newman hatte Chorleiter Jürgen Janotta die Top Ten der Sangesliteratur in die Chormappen gepackt.
Ob swinging, polyphon vetrackt oder wunderbar melancholisch, alles gelang anscheinened mühelos. "So fahr ich hin zu Jesu Christ" des Altmeisters Heinrich Schütz - blitzblank präsentiert - schien den Chören ebenso einfach aus den Kehlen zu fließen wie "Back in the USSR" von den Beatles, die dereinst im Komponistenhimmel sicher auf einer Wolke direkt nebenan sitzen werden. Aus Palestrinas Missa Papae Marcelli hatte "d'aChor" Kyrie und Sanctus dabei. Fast schade war es, dass der Chor sich nicht im ganzen Kirchenraum verteilt hatte, dann wäre der ohnehin schon umwerfende akustische Eindruch noch verstärkt worden.
Eins sanftes Lied, das Traditional "Hush little Baby", ließ staunen: Wie sauber und textverständlich können diese Sänger in ganz leisen Bereichen singen. Der Nazi-Zensur ist das Werk "Lob der Träne" von Ernst Pepping nicht aufgefallen, sonst wäre es wohl kaum 1941 in Berlin uraufgeführt worden. Das gemäßigt moderne, von Kriegseindruck geprägte Chorwerk ist eine expressive Bereicherung für die Chorliteratur, zumindest, wenn es einfühlsam und gekonnt daherkommt, wie bei den Sängern um Chorleiter Janotta. Sopranistin Gertrud Sauer hatte auch ihre gut aufgelegte Querflöte dabei. Harald Genzmers "Pan" für Flöte Solo wirkte streckenweise fast zweistimmig, so trug der Kirchenhall die warmen, vollen Töne. Auch dafür gab es verdientermaßen eine ganze Menge Beifall vom Publikum.

(Heike Eickhoff)
Westfälische Nachrichten, 26.Juni 2001

Klassik aus anderen Welten

Konzert: "d'aChor" und "inTakt" auf Odyssee

Münster Nein, hoch oben im Altarraum der müsterschen Petrikirche drehten sich keine Raumschiffe im Dreivierteltakt zu Richard Strauss. Dennoch zeigte die "Odyssee im Klangraum" der A-cappella-Gemeinschaft aus "d'aChor" und "inTakt" Parallelen zu Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum".
Schon gleich zu Beginn in Pablo Casals "O vos omnes" war die Tonsprache der beiden Chöre von elysischem Ausdruck, und der Klang schien tatsächlich aus einer unbekannten Raumzeit auf die Hörer nieder zu schweben. Geheimnisvoll hielten sich die Männerstimmen zurück, und wenn der Sopran wie in dem von Wilhelm Stenhammer vertonten Gedicht "I Seraillets Have" seine großen Momente hatte, wäre wohl niemand verblüfft gewesen, wenn der Monolith aus dem Kinoklassiker erschienen wäre.
Zwar gab es leichte Ungenauigkeiten in den polyphonen Konstrukten von Johannes Brahms' "Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz" op. 29. Die saubere Schichtung der Stimmen ging auf der Reise durch musikalische Epochen von Palestrina bis Paul McCartney aber nur selten verloren.
Dabei erwies sich der Halbkreis, den die Sänger um ihren Dirigenten Jürgen Janotta bildeten, als sehr hilfreich für die Verständigung. Doch konnte die dynamische Gestik des Chor-Captains die Akteure kaum dazu animieren, auch mal aus sich herauszugehen. So kam das Kyrie aus Giovanni Perluigi Palestrinas "Missa Papae Marcelli" eher brav daher. Mehr Mut zur Artikulation hätte hier die hohe Tonqualität noch stärker hervortreten lassen.
Dass sie beides können, schön singen und kreativ inszenieren - für A-capella-Konzerte enorm wichtig -, bewiesen die Musiker schließlich in dem Traditional "Jeu du Couteau" im Arrangement von Alain Langrée. Auch die Soloauftritte von Flötistin Gertrud Sauer aus dem Sopran kamen zu Recht sehr gut beim Publikum an.

(Stefan Jahnke)
Münstersche Zeitung, 26.Juni 2001