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Alles atmet, alles schwelgt im Klang

"d'aChor" feierte zehnjähriges Bestehen mit begeisterndem Konzert

Dienet dem Herrn mit Freuden", heißt es bei Mendelssohn. Diese Freude war d'aChor und seinem Leiter Jürgen Janotta anzumerken, als sie ihr zehnjähriges Jubiläum in der Petri-Kirche mit dessen "Jauchzet dem Hernn alle Welt" eröffneten. Längst ist dieser Chor eine feste Institution in dieser Stadt. Zu Recht. Und auch nach zehn Jahren heißt es: Fünfhundert Jahre Musikgeschichte in zwei Stunden? Kein Problem!
In bewährter Manier feierte sich der Jubilar: Von Klassik bis Pop, ob geistlich, ob weltlich, von Rheinberger bis Billy Joel, von Schütz bis Sinatra. Nur eines war neu: Zur Feier des Tages bekam das Vokalensemble instrumentale Unterstützung. Nicht nur vom Schwesterchor "Contrapunto", sondern auch vom Kammerorchester "amici musici". Aber schon nach Mozarts Evergreen "Ave verum corpus" war klar: Wirklich nötig hatte sie der Chor nicht.
Was nützt es, wenn Janotta zwar mächtig aufs Gas drückt, das Orchester aber noch immer die Handbremse angezogen hat. Recht schleppend folgte das Barockorchester dem Jubilar. Selbst im befeuernden, paukenunterstützten "Halleluja" aus Händels Messias.
Impulse gingen von den "Musikfreunden" jedenfalls nicht aus. Die Chöre aber machten vor, wie's geht: markig und mit Elan. Dabei liegen die Stärken des Ensembles mit dem Mut zum Außergewöhnlichen eigentlich ganz woanders. In jenen wunderschönen Schwelltönen etwa, die Janotta bereits aus Mendelssohns "Jauchzet dem Herrn alle Welt zauberte". Alles atmet, alles schwelgt im Klang.
Feinste Schattierungen selbst im Pianissimo. Die schmelzige Harmonik von Morten Lauridsens "O Magnum Mysterium" schien d'aChor geradezu auf den Leib geschrieben. Was dort zelebriert wurde, war A-cappella-Gesang in erlesenster Kultur. Einfach überirdisch.
Dass es aber auch anders geht, bewies der Jubilar vor allem nach der Pause. Mit weltlichen Schmankerln wie Robert Pearsalls "Lay a garland" oder Julius Benedicts "Dirge for the faithfull lover" etwa. Da gab es allerlei zu entdecken. Etwa wie der Hindemith-Schüler Harald Genzmer es sich mit seiner lautmalerischen Art vorstellt, einen Vogel zu malen. Oder wie Frankyboys "Something stupid" klingen kann, wenn nicht Robbie Williams und Nicole Kidman, sondern d'aChor sich seiner rhythmusgruppen-unterstützt annehmen.
Janotta, der sich mit Worten bisher bescheiden zurückhielt, kam gegen Ende doch noch zu Wort: Als Vorsinger in dem afrikanischen Lied "Ayan genna". Und auf wen der Funke der Begeisterung bis dahin noch nicht ügergesprungen war, war selber schuld.

(Markus Küper)
Westfälische Nachrichten, 25. Juni 2002

Bunter Klangfarben-Strauß

Vokalensemble "d'aChor" begeisterte in der Kleinen Kirche

BURGSTEINFURT Was ergeben fünf Jahrhunderte Musikgeschichte geteilt durch zehn Jahre Chorgeschichte? Eine Stunde Hörgenuss.

Damit durften die Burgsteinfurter rechnen, hatte doch das Münsteraner Vokalensemble "d'aChor" unter Leitung von Jürgen Janotta schon im letzten Jahr sein Können eindrucksvoll bewiesen. Bei seinem Jubiläumskonzert am Sonntagabend in der Kleinen Kirche präsentierte der Chor ein bunt gemischtes Programm mit geistlichen und wetlichen Liedern. Junge, gut geführte Stimmen, ein ausgewogenes Verhältnis von Männern Frauen und eine kultivierte Gestaltung der einzelnen Stücke sind die Pfunde, mit denen Janotta wuchern kann. Saubere Intonation ist für die stets a-capella singende Truppe ebenso selbstverständlich wie passgenaue Einsätze.
Als Meister der leisen Töne erwies sich der Chor bei Morten Lauritsens Stück "O Magnum Mysterium", wunderbar wurden hier die engen, teils dissonanten Harmonien ausgekostet, in zarteste Pianissimo ausgeschlichen und dennoch die Spannungsbögen hörbar gemacht. Kontrastreich dazu war das darauffolgende Ave Maria in russscher Sprache von dem estnischen Komponisten Arvo Pärt. Viele Elemente der russischen Volksmusik sind hierin verarbeitet und es gelang den Sängern wunderbar, den rustikalen und trotzdem kunstvollen Stil nachzuzeichnen, ebenso wie bei den drei afrikanischen Liendern am Schluss des Konzerts. Ein paar mehr Farbtupfer dieser Art hätten dem ansonsten in eher zarten Tönen gehaltenen Programm gutgetan.
Eine andere Klangfarbe brachte auch Gertrud Sauer mit ihrem Querflötensolo "Hommage à Krishna" von Louis Moyse ins Spiel. Wie Schmetterlinge schwebten die Töne durchs Kirchenschiff und brachten so dem Gott Krishna, der für das Werden und Vergehen der Schöpung steht, eine Huldigung dar.
Aber auch die leichte Muse hat ihren Platz im Repertoire des Ensembles, und so durften sich die Zuhörer über Billy Joels "And so it goes" genauso freuen wie über das reanimierte "Something stupid" von Sinatra. Prarrer Krefis bedankte sich im Namen des begeisterten Publikums bei den Sängern und gab der Hoffnung Ausdruck, diesen Chor noch öfter in Burgsteinfurt erleben zu dürfen.

(Heide Bertram)
Münstersche Zeitung, Stadtteil Steinfurt, 18. Juni 2002

Alles fließt, alles pulsiert - typisch Janotta

"d'aChor" und sein Geschwisterlein "Contrapunto" feiern Premiere

Respektvoll trat Jürgen Janotta einen Schritt vom Notenpult zurück. Schließlich war es für ihn ein großer Moment. Zum ersten Mal sollten seine zwei Chöre gemeinsam auftreten. Und die Premiere gelang. Als Bekenntnismusik mit Gänsehautgarantie brachten das Vokalensemble "d'aChor" und sein kleines Geschwisterlein "Contrapunto" das Kyrie aus Rheinbergers "Cantus Missae". Alles fließt, alles pulsiert, klingt rund und weich. Einfach schön. Typisch Janotta. Schade, dass beide Chöre in der Petri-Kirche nur insgesamt dreimal mit vereinten Kräften sangen.
Aber sie sind schließlich nicht nur gemeinsam stark. Gegensätzlich wie ihre Logos kommen auch die beiden Chöre daher: grafisch streng das eine, frech geschwungen das andere, so unterschiedlich sind sie. Darüber konnte auch das Einheits-Schwarz ihrer Garderobe nicht hinwegtäuschen. "d'aChor" ist ein ausgewogen besetzter Kammerchor, "Contrapunto" ein gerademal 18-köpfiges Ensemble mit nur drei Hähnen im Chor(b).
Janotta zügelte die Frauen, gab den Herren hingegen kräftig die Sporen und stellte ihnen im Tenor einen wackeren weiblichen Beistand zur Seite. Und so konnnte sich der "Kleine" mit dem "Großen" durchaus messen. Schließlich hat Janotta auch ihm seinen Stempel aufgesetzt. Und der zielt - ob geistlich oder weltlich, ob Renaissance, Romantik oder gemäßigte Moderne - auf schlichte Schönheit, auf ein sehr elegisches Klangbild. Das Repertoire ließ es zu. Launige Ausflüge wie das "Falala" in Giovanni Gastoldis "Amor vittorioso" blieben an diesem Abend die große Ausnahme. Da entlockt Janotta Schütz' "So fahr ich hin" lieber spannende rhythmische Affektwechsel oder seinem Klangkörper bei Arvo Pärts "Bogoróditse Djévo" enorme dynamische Reserven.
In fein abstufenden, raumgreifenden Bewegungen ziselierte Janotta mit "d'aChor" Palestrinas Missa-Papae-Marcelli-Kyrie, kristallisierte immer wieder einzelne Stimmen aus dem natürlichen Fluss heraus. Weich und stilsicher umschiffte er die polyphonen Klippen und fischt nebenbei auch noch Perlen wie Edward Elgars "As torrents in summer" oder Julius Benedicts "Dirge for the faithful lover" aus dem Meer der Musikgeschichte.
"Now the day is over" hieß es nach einer guten Stunde vereint. Eigentlich schade.

(Markus Küper)
Westfälische Nachrichten, 19. Februar 2002

Die Kraft der zwei Chöre

Petrikirchen-Konzert

Münster Doppelt genäht hält besser. Das gilt auch für Chorkonzerte, und deswegen versammelte Ex-Sechszylinder Jürgen Janotta seine beiden Vokalensembles d'aChor und Contrapunto in Münsters Petrikirche zu einem gemeinsamen Konzert. Er hatte ein buntes Potpourri aus Vokalmusik der letzten fünf Jahrhunderte zusammengestellt. Da fanden sich in fröhlicher Eintracht der zeitgenössische Schwede Kurt Nystedt neben Palestrina und Heinrich Schütz neben Arvo Pärt. Auch hielt sich die Mischung zwischen geistlichen und weltlichen Stücken die Waage. Jedem Chor blieb genug Raum, seine eigene Charakteristika zu präsentieren.
Zum Beispiel d'aChor. Den knapp 30 Sängerinnen und Sängern gelang der Spagat zwischen alter und neuerer Musik recht eindrucksvoll. Das "Kyrie" aus Palestrinas Missa Papae Marcelli hatte beinahe eine mystische Aura. Man hätte sich in diesen Klang verlieren können, wenn nicht eine unterschwellige Unruhe im Publikum (die übrigens nicht von den erfreulich zahlreichen Kindern kam) so manchen besinnlichen Moment gestört hätte.
Dem Ensemble Contrapunto fehlen Männerstimmen - gerade bei den Stücken der Renaissance-Literatur hätte man sich massigere Fundamente gewünscht. Aber auch so schlugen sich die Zwanzig tapfer. Bei den gemeinsamen Werken von Tomás Luis Victoria ("Popule meus") und Josef Gabriel Rheinberger (Kyrie aus "Cantus Missae" op. 109) waren solche Schwierigkeiten ohnehin nicht vorhanden. Die Kombination beider Chöre überzeugte: Langer Applaus aus der vollen Kirche und ein Abendlied zum Abschied.

(Dirk Jaehner)
Münstersche Zeitung, 19. Februar 2002