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Zur Ruhe finden

Konzert: d'aChor

Münster Die Adventszeit wird bei Chorkonzerten immer gerne dazu genutzt, Ruhe und Besinnlichkeit auszustrahlen, die auf das Fest der Geburt Jesu Christi vorbereiten und auch ein wenig die Hektik des Advents-Samstags mindern soll. Dass sich das beruhigende Flair zu Beginn des Auftrittes von "d'aChor" in der Antoniuskirche nicht einstellen wollte, lag hauptsächlich am unruhigen Publikum.
Denn nach dem gelungenen Auftakt mit Saint-Saens "Tolite Hostias" waren einige Zuhörer sichtlich mit dem sehr dissonanten Stück "Immortal Bach" von Knut Nystedt überfordert. Dabei war das recht kurze Werk, für das sich das etwa 30-köpfige Ensemble in vier kleine Chöre teilte, sehr eindrucksvoll gesungen und das einzig befremdliche Stück in einem ausgewogenen Programm.
Das Vokalensemble unter der Leitung von Jürgen Janotta glänzte mit einer insgesamt hervorragenden Erarbeitung von Stücken aus den vorweihnachtlichen Gesangswerken und konnte sogar bei allzu häufig vorgetragenen Werken wie "Maria durch ein Dornwald ging" und "Vom HImmel hoch da komm ich her" durch feine Differenzierungen neue Höreindrücke vermitteln. Bis auf ganz wenige Einsätze klang das Ensemble sehr sicher und in dem sehr homogenen Klangbild konnte man jede Stimme verfolgen.
Und dennoch war der Großteil der deutschen (traditionellen) Stücke für den Chor nur sehr gute Routinearbeit. Zu was "d'aChor" wirklich fähig war, zeigten die Sänger beispielsweise in den Stücken von Nystedt und Arvo Pärt oder in zwei englischen Klassikern "Deck the Halls" und "The first nowell". Diese Stücke, in denen der farbenreiche Chor wahre Freude am gemeinsamen Singen bewies, holten den Auftritt aus jedem adventlichen Klischee heraus. Und auch die englischen Spirituals "Good News" und "Glorious Kingdom" waren überzeugender als die "Wunder der Weihnacht" und "Stille und Sein".
Einen bewegenden Glanzpunkt setzte das Ensemble mit der Zugabe: ein sehr melancholisches georgisches Weihnachtslied. Spätestens hier hatte der Chor die ihm gebührende Aufmerksamkeit und in ihrem emotonalem Gesang fand mancher Zuhörer die passende Ruhe für vorweihnachtliche Gedanken.

(Christoph Broermann)
Münstersche Zeitung, 06. Dezember 2004

Verdi, der Neuerer

"d'aChor" überzeugt

Münster In kaum einem Genre tummeln sich kompositorische Leicht- und Schwergewichte so dicht wie in der Chormusik. Das Vokalensemble "d'aChor" unter Leitung von Jürgen Janotta sang sich in Münsters Petrikirche mit überlegenem Können durch oft seltenes Terrain der Musikgeschichte, lotete viele Höhen und manche Niederung aus.
Zunächst zog man prozessionsartig in die Kirche. Dann folgte der präzise Satz "Herr, schicke was du willst" des Romantikers Max Bruch, eines altväterlichen Agenten gegen musikalischen Fortschritt, der neben den ätherischen Klängen der Psalm-Vertonung "Denn er hat seinen Engeln befohlen" seines Vorbildes Mendelssohn bieder wirkte.
Heinrich Schützens karges "Herr, wenn ich dich nur habe" exerzierte moderate Demut vor, und der Chor folgte der Strenge der Komposition diszipliniert und mit ausgewogenem Klang. Eingeschoben waren Flötensoli von Gertrud Sauer: Fantasien von Telemann und Richard Rudolf Klein. Vor allem beim zweiten Stück spielte die Solistin befreit auf.
Mit Giuseppe Verdis Spätem "Pater noster" hatte man einen Höhepunkt erreicht. Der Satz schreckt nicht vor avancierter Harmonik zurück und wurde vom Chor ohne einen Anflug trister Andächtigkeit gesungen. Daneben wirkte Bobby McFerrins "The 23rd Psalm" zwar eingängig, aber auch ein wenig flach. Die fröhliche Geheimniskrämerei in Arvo Päts "Bororóditse Djévo" klang da - auch dank der vitalen Ausführung - sehr viel anrürender. Nach Fanny Henséls gar nicht leichter "Lockung" waren Ernst Peppings politisch verschlüsselte Bänkellieder von 1941 eine überrumpelnde Entdeckung. Dann noch einmal die leichte Muse von Lennon, McCartney & Co.: großer Beifall des zahlreichen Publikums.

(Günter Moseler)
Münstersche Zeitung, 13. Juli 2004