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Ausgefeilte Dynamik bis in kleinste Nuancen

Vokalensemble "d'aChor" begeistert auch bei seinem vierten Gastspiel in Burgsteinfurt

BURGSTEINFURT Singend zog das Vokalensemble „d'aChor" aus Münster in die Kleine Kirche ein, das am Sonntag bereits zum vierten Mal zu Gast in Burgsteinfurt war, um geist­liche und weltliche Chormu­sik aus fünf Jahrhunderten zu präsentieren.

Mit sehr weich gesungenen Vokalen des kurzen „0 Crux Ave" von einem unbekannten Komponisten gelang der Einstieg in ein anspruchsvolles Programm. Zum doppelchörig gesetzten „Herr, wenn ich nur dich habe" aus den Exequien von Heinrich Schütz war ein chorischer Umbau notwendig. Links und rechts vom Altar gruppiert, gelang es dem Chor, in einer romantischen Interpretation trotz des ruhigen Tempos die Spannung zu hal­ten. Auch die Intonation ließ, wie in den anderen Werken, kaum Wünsche offen.
Beim Schütz konnte man durch die sauberen Dur-Akkorde förmlich hindurchsehen. Dass der Opernkompo­nist G. Verdi ebenso ein Meister geistlicher Musik war, wur­de in seinem fünfstimmigen „Paternoster" deutlich. Das Werk bietet nicht nur interes­sante Harmoniewechsel. Es gibt dem Chor auch Gelegenheit, häufige Tempowechsel, ausgefeilte dynamische Nuancen und schöne Klinger am Ende zu demonstrieren. Unter der Leitung des Dirigenten Jürgen Janotta nutze „d'aChor" diese Chance vortrefflich. Und dass dieses Stück, wie auch einige andere, schon im letztjährigen Reper­toire vertreten war, tut der Sa­che bei diesen vielschichtigen Werken keinen Abbruch.
Mit Hugo Distler (1908-1942) kam das schlüssig aufgebaute Programm Im 20. Jahrhundert an. Sein fiinf­stimmiges „Wachet auf, ruft uns die Stimme" ist nach den Texten des entsprechenden Chorals als erfrischender Weckruf aufgebaut.
Bemerkenswert im welt­lichen Teil waren „Drei Volkslieder" von Mendelssohn-Bar­tholdy und vor allem die Bal­lade 1 aus „Lob der Träne" von Ernst Pepping. Alles aus­wendig gesungen. Pepping hat in seiner Sammlung vertonter Bänkellieder das Grauen des Dritten Reiches schonungslos verarbeitet. Über das süße, aber niemals schmalzige „La mer" ging es dann (fast) bis in die Neuzeit. In der Origi­nalbearbeitung der King Sin­gens von ;,Penny Lane" der Beatles wippte Jürgen Janotta mit den Füßen, der Chor schnipste mit den Fingern.
Dass das Vokalensemble in den Werken der Unterhal­tungsmusik noch einmal an Intensität gewann, zeigt, dass ihm diese Musik wohl besonders liegt.
Eine echte Bereicherung des Konzertes war die Soloflötis­tin Gertrud Sauer, die in „Les Folies d'Espange" von Marin Marais mit Ton und Technik glänzen konnte. In „Grastänzer" von einem zeitegenössischen Komponisten zeigte sie Triller in allen Lagen, spielte mit Vierteltönen und erzählte dazu sehr einfühlsam die Geschichte, wie Anna mit Flötentönen das Land retten möchte.

Nach langem Beifall der zahlreichen Zuhörer gab es das bekannte „Bleib bei uns, denn es will Abend werden" von Rheinberger als Zugabe. Dann verließ der Chor wieder singend die Kirche.

(Münstersche Zeitung, Juni 2005)