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Funkelndes Kyrie

D'aChor sang Marienlied so sicher wie die Bach-Motette

Münster. Die Empore der Petrikirche ist nicht nur architektonisch sehr reizvoll. Sie eignet sich auch hervorragend, die Feinheiten des Raumklangs auszuloten. So geschehen am Sonntagabend beim Konzert des Vokalensembles D'aChor. Auf der Empore wandelnd, stimmten die Sängerinnen und Sänger mit „Shen khar venakhi" ein georgisches Marienlied an, dessen bei aller Bewegtheit der Einzelstimmen stehende Klangflächen ideal mit der Raumakustik harmonierten.

War die Wahl des Aufführungsortes oberhalb der Köpfe der Zuhörer für die spezifische Charakteristik des Marienliedes ein echter Glücksgriff, so stellte sie sich bei Anton Bruckners „Messe in C" in der Bearbeitung für Chor, Orgel (Markus Michael) und zwei Hörner (Johannes Michael, Clemens Gottschling) von Joseph Messner als ebenso großes Manko heraus. Die Finessen der romantischen Textur und insbesondere das Zusammenspiel von Orgel und Hörnern gingen im übergroßen Nachhall unter.
Nach Anton Bruckners Messe verließ das Vokalensemble die Orgelbühne, um sich in den Chorraum zu begeben. Währenddessen konnte sich das Publikum an der Sonate a-moll für Flöte (Gertrud Sauer), Violine (Hildegard Michael) und Generalbass (Markus Michael) erfreuen.
Doch als die Sänger im Chorraum Aufstellung nehmen, um das Kyrie in d-moll von Wolfgang Amadeus Mozart zu intonieren, ist es, als habe sich ein Vorhang aufgetan — und im strahlenden Licht der Abendsonne funkelt nun auch der Chorklang. Die Transparenz der Stimmen gewinnt ebenso wie die Dynamik. Da, wo eben noch ein sich in den mittleren Frequenzen gegenseitig behindernder Klang zu hören war, treten nun die Einzelstimmen konturiert hervor. Die Stimmführung wird nachvollziehbar und somit auch die musikalische Intention von Chorleiter Jürgen Janotta.
Ohne diese neue Transparenz wäre ein Werk wie Johann Sebastian Bachs achtstimmige Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf" wohl nicht aufführbar gewesen. Das höchst komplexe Passagenwerk, die ausgefeilte Kontrapunktik setzen eine Durchhörbarkeit der musikalischen Faktur bis in die feinste Verästelung voraus. D'aChor erwies sich diesen Anforderungen gewachsen und gestaltete die Motette mit profunder Musikalität.

Münstersche Zeitung 2007                                         Stefan Herkenrath