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Botschaft, die nicht verloren geht

„D'a Chor" in der Kleinen Kirche

Von Reimund Schnaars

Burgsteinfurt. Es gibt Chormusik, die Jahrhunderte überdauert und ihre Botschaft nicht verliert, Wird sie heute in sakralen Räumen wie am vergangenen Samstagabend in der evangelischen Kleinen Kirche gesungen, zieht sie die Zuhörer noch immer in ihren Bann. Geschieht das dann noch in der Qualität, die das Vokalensemble „D'a Chor" aus Münster auch in diesem fahr bietet, ist es ein Genuss.

Zum siebten Mal sind die Sänger unter der Leitung von Jürgen Janotta Gast in Burgsteinfurt gewesen und haben sich ein zahlreiches Stammpublikum ersungen. Das „Agnus Dei" aus „Bell Amfitrit altera" von Orlando di Lasso schien durch den Kirchenraum zu schweben und bei den vier Sätzen aus der Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" op 74, Nr. 1 von Johannes Brahms sang der Chor sehr schöne musikalische Bögen und durchsichtige Akkorde. Besondere Beachtung fand auch die reizvolle Mischung von Orgel und Chor in der Kantate „Barmherzig und gnädig ist der Herr" von Johann Schelle, zu der sich das Ensemble auf die Empore begab.

Überhaupt war die Programmgestaltung äußerst gelungen — auch deshalb, weil sie einmal nicht chronologisch aufgebaut war. So war sehr schön zu erkennen, dass es selbst zwischen dem „Au joli jeu" von Clement Janequin (1485-1558) und einem Satz von Arnold Schönberg (1874-1951) über „Schein uns, du liebe Sonne" einen roten Faden gab, nämlich die Qualität von Komposition und Darbietung.

Diesem Chor scheinen dabei die kurzen, teilweise sehr fröhlichen Stücke des zweiten Konzertteils etwas besser zu liegen, als die geistlichen Gesänge. Gertrud Sauer hielt sich auch dieses Jahr an das Konzept: Eine Frau und eine Flöte. In der „Partita a-moll für Flöte Solo" von J. S. Bach und dem „Capriccio sopra" von Guiseppe Gariboldi füllte sie die Kirche mit ihrem Ton und zeigte die Fähigkeit, auch über große Intervalle mühelos und ebenmäßig hinwegzublasen, sodass man fast den Eindruck hatte, zwei Flöten zu hören. Es gab großen Beifall und eine Zugabe. Dann verließ der Chor singend die Kirche

Westfälische Nachrichten / Steinfurter Kreisblatt vom 17.06.2008

Zuhörer tief ergriffen von der Klangschönheit

„d‘aChor“ aus Münster gastierte in der Martin Luther Kirche Lemförde / Abendlied als Zugabe

Von Christa Bechtel

LEMFÖRDE Chormusik auf hohem Niveau genossen die Zuhörer in der Martin Luther Kirche, wo das Vokalensemble „d'aChor" aus Münster unter Leitung von Jürgen Janotta gastierte. Geistliche Musik und Madrigale aus fünf Jahrhunderten boten die Choristen während ihres zweistündigen Programms.

„Zum Ausklang eines schönen Tages Musik hören, das wird uns allen gut tun", bemerkte „Hausherr" Pastor Eckhart Schätzel bei seiner Begrüßung. Insbesondere hieß er die Münsteraner willkommen, die für vier Tage für intensive Proben in der Musikakademie Dümmersee in Hilde weihen. Vor 17 Jahren rief Jürgen Janotta den Chor, dem anfangs nur Studenten angehörten, ins Leben. „Von den ursprünglichen Mitgliedern sind zwei noch dabei", erklärte der Dirigent. Der Name des Chores sei ein Wortspiel aus dem Französischen und bedeute „in Ordnung", verdeutlichte Janotta, der gerne acht Stimmen pro Stimme hätte. „Da her suchen wir immer noch Mitstreiter, vor allem in den Männerstimmen, insbesondere Tenöre", wünscht sich der Gesangs- und Instrumentalpädagoge.

Singend zogen die 16 Sängerinnen und 10 Sänger in das Gotteshaus ein, das im sonnigen Abendlicht funkelte. Keine ganz einfache Musikliteratur hatten sie dabei.

„Im Gepäck", meist mehr-bis sogar achtstimmig. „Aber das ist für uns eine Herausforderung und es macht auch Spaß", schwärmte eine Sängerin in der Pause.

Während der fünfstimmigen Kantate „Barmherzig und gnädig ist der Herr" von J. Schelle wurde der Chor gefühlvoll von Julia Stüper an der Orgel begleitet. Kontrastierende Passagen kennzeichneten das „Dostojno est" (Ja, würdig ist's) und „Svjat" (Heilig) aus den Sieben Chören zur Chrysostomos Liturgie von Tschaikowsky. Intensive Momente der Verinnerlichung und flehentlichen Anrufung dann während des „Sanctus", „Benedictus" und „Agnus Dei" aus Anton Bruckner „Messe in C-Dur".

Für eindrucksvolle Soli sorgte Gertrud Sauer, Querflöte, im Verlauf des Programms: Im ersten Teil intonierte sie überzeugend von J.S. Bach die „Partita a-moll" und im zweiten das „Capriccio sopra un tema arabo" von G. Garibaldi. Eine echte Herausforderung war für den Klangkörper die achtstirnmige Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf" von J.S. Bach. Das ganze Werk atmet die starke, fast frohe Zuversicht, mit der der christlich-barocke Geist dein Tode begegnet. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließen das „Agnus Dei" von di Lasso sowie „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" von J. Brahms.

Im zweiten Teil widmete sich das Ensemble Madrigalen wie „Ach, weh des Leiden" von Hans Leo Haßler oder „Weep, oh mine eyes" von John Rennet, mit dem den Zuhörern die maßvolle Textausdeutung, die für das englische Madrigal typisch ist, in geradezu mustergültiger Weise zu Gehör gebracht wurde. Faszinierend war die Präsenz aller Beteiligten, vom ersten bis zum letzten Ton. Und die Zuhörer wurden tief ergriffen von der seelenvollen Klangschönheit, Wärme und Intonationssicherheit. Nur an der Textdeutlichkeit müssen die Choristen noch etwas feilen, die mit ihrer Zugabe - einem Abendlied - wieder singend aus der Kirche auszogen.

Diepholzer Kreisblatt vom 07.05.2008